Verläufe exzessiver Internetnutzung in Familien (VEIF)

Mitarbeit

Prof. Dr. Rudolf Kammerl - Projektleitung
Dr. Lutz Wartberg - wissenschaftliche Mitarbeit
Dieses Projekt wird von der DFG gefördert.

Problembeschreibung

Neben der medialen Öffentlichkeit widmen sich auch unterschiedliche Wissenschaftsbereiche der exzessiven Internetnutzung von Jugendlichen. Ergebnisse internationaler Studien belegen einen Zusammenhang zwischen familiärem Einfluss und exzessiver Internetnutzung im Jugendalter. Bisher fehlen aber längsschnittlich angelegte Studien, um diesen Zusammenhang genauer zu erforschen. Dementsprechend liegt der Fokus des Forschungsvorhabens auf dem Verlauf exzessiver Internetnutzung von Jugendlichen unter besonderer Berücksichtigung der Familie.

Zielsetzung

Gesellschaftlich bedarf es näherer Kenntnisse zum Verlauf des Phänomens exzessiver Internetnutzung, um geeignete Präventions-, Diagnose- und Interventionsmaßnahmen entwickeln zu können. Zur hierfür erforderlichen Grundlagenforschung wollen wir einen Beitrag leisten.
Anhand quantitativer Methoden werden über 24 Monate Daten erhoben, welche Aufschluss über das Phänomen exzessiver Internetnutzung, dessen Entwicklung und den Einfluss der Familie geben sollen.

Leitend sind folgende Fragestellungen:

  • In welchem Alter und aus welchen Gründen beginnen Jugendliche das Internet exzessiv zu  nutzen?
  • Wann nimmt dies gegebenenfalls wieder ab?
  • Welchen Einfluss nimmt die Familie auf den individuellen Entwicklungsverlauf?

Forschungmethoden

Exzessive Internetnutzung wird in Familien zu einem Problem, wenn es von den Familienmitgliedern als ein solches wahrgenommen wird. Dabei muss die Perspektive der Erziehenden/der Eltern nicht notwendigerweise von den Jugendlichen geteilt werden. Gleichzeitig entsprechen die als Problem wahrgenommenen Phänomene nicht unbedingt einer wissenschaftlichen Definition exzessiver Internetnutzung. Daher liegt der Untersuchung ein Modell zugrunde, welches die subjektive Sicht der Betroffenen (Jugendliche und Eltern) und die wissenschaftliche Perspektive auf das Problem berücksichtigt.

Untersucht wird primär eine Gruppe mit höherem Risiko für exzessive Internetnutzung. Dieses wird dann angenommen, wenn eine Mediennutzungsproblematik mindestens seitens der Erziehenden oder der Jugendlichen wahrgenommen wird. Forschungsschwerpunkte liegen auf der Untersuchung von Familienbeziehungen und –interaktionen sowie der Medienerziehung. Für die Einbindung der wissenschaftlichen Perspektive kommt ein Instrument zur Messung exzessiver Internetnutzung (CIUS) zum Einsatz. Zum Vergleich der "Problemfamilien" mit Familien ohne jegliche Problemdefinition wird eine Kontrollgruppe hinzugezogen.

Um dem oben genannten Modell gerecht zu werden, werden jeweils ein Jugendlicher und ein Erziehungsberechtigter (Familiendyade) befragt. Die quantitative Datenerhebung anhand standardisierter Fragebögen umfasst drei Wellen in 700 Familiendyaden (500 Familien mit einem höheren Risiko für exzessive Internetnutzung und 200 Familien in der Kontrollgruppe).

Projektlaufzeit

Beginn: 16. August 2015
Ende: 15. August 2018

 

Digitales Lernen Grundschule - Herausforderungen in der Grundschule digital begegnen

Mitarbeit

Prof. Dr. Rudolf Kammerl (Medienpädagogik) - Sprecher
Prof. Dr. Günter Krauthausen (Didaktik der Mathematik, der Informatik und des mathematischen Anfangsunterrichts) - Sprecher
Prof. Dr. Claus Krieger (Sportdidaktik)
Prof. Dr. Kerstin Michalik (Didaktik des Sachunterrichts)
Dr. Silke Günther (Medienpädagogik und Deutschdidaktik)
N.N. (Didaktik der Informatik)
Anja Schwedler - wissenschaftliche Mitarbeit
Mareike Thumel - wissenschaftliche Mitarbeit
Farwa Rawnaq - wissenschaftliche Mitarbeit
Jonathan Otto - wissenschaftliche Mitarbeit
Christina Metzler - studentische Mitarbeit
Kathrin Speer - studentische Mitarbeit
Florian Jastrow - studentische Mitarbeit
Sven Martin - studentische Mitarbeit
Julius Kowalik - studentische Mitarbeit

Projektbeschreibung

Als die Schule für alle, steht gerade die Grundschule vor der Herausforderung, Kinder mit heterogenen Voraussetzungen in Lerngruppen zu unterrichten. Digitale Medien können sie dabei unterstützen, sind aber im Rahmen schulischer Medienbildung auch Unterrichtsgegenstand. In Hamburg wird von der Deutsche Telekom Stiftung drei Jahre lang ein Konzept zum digitalen Lernen an der Grundschule  gefördert. In dessen Mittelpunkt stehen sieben teils fächerübergreifende Unterrichtsprojekte zum digitalen Lernen. Diese werden gemeinsam mit den Partnergrundschulen Schule Rellinger Straße und Grund- und Stadtteilschule Alter Teichweg entwickelt. Dabei wird ein breites Spektrum des Grundschulcurriculums abgedeckt:

  •     Mathematik
  •     Deutsch
  •     Sachunterricht
  •     Sport
  •     Medienbildung
  •     Informatische Bildung

Die Unterrichtsprojekte orientieren sich an den aktuellen Empfehlungen zur Arbeit an der Grundschule (vgl. KMK 2015, Grundschulverband 2015).

Zielsetzung

Es sollen Konzepte für den produktiven Einsatz digitaler Medien im Grundschulunterricht erarbeitet und erprobt werden.
Die entwickelten Unterrichtsprojekte sind eingebettet in die Lehrerbildung sowie die Lehrerbildungsforschung an der Universität Hamburg. Die  Projektergebnisse sollen für die Lehrerbildung und die Grundschulen nutzbar gemacht werden. Dazu ist eine hochschulübergreifende Zusammenarbeit in diesem Bereich mit den vier weiteren geförderten Hochschulen vorgesehen.

Unterrichtsprojekte

Lesen durch Hören (Deutsch; Klasse 1, 2, 3, 4)
Durch Anhören digitaler Hörtexte und halblautes Mitlesen der entsprechenden Textvorlage soll die Leseflüssigkeit gefördert werden. Darüber hinaus wird die Möglichkeit eröffnet, digitale Hörtexte selbst zu produzieren. Diese können dann Mitschülerinnen und Mitschülern online zur Verfügung gestellt werden.

Medien produzieren und gestalten (Deutsch, Sachunterricht, Kunst; Klasse 3, 4)
Poster und computergestützte Präsentationen werden erstellt und präsentiert. Dadurch werden vielfältige Dimensionen der Informationskompetenz von Schülerinnen und Schülern gefördert.

Forschendes Mathematiklernen mit integrativem Einsatz von Tablet-Apps (Mathematik; Klasse 1, 2, 3, 4)
Hierzu werden (konzeptionell-theoretisch wie praxisorientiert-konkretisiert) Handlungsleitlinien entwickelt und erprobt. Grundlage sind fachdidaktisch empfehlenswerte Apps zu inhaltlichen Gelenkstellen des Mathematikunterrichts. Es werden Gütekriterien herausgearbeitet und im Rahmen eines integrativen Tablet-Einsatzes exemplarisch erprobt und dokumentiert.
 
Educaching (Sachunterricht, Sport; Klasse 3, 4, 5, 6)
Die Erkundung und Gestaltung des unmittelbaren lebensweltlichen Sozial- und Nahraums der Kinder ist für den Sachunterricht zentral. Dies verbindet sich hier in sportdidaktischer Perspektive mit Aspekten der Bewegung im außerschulischen Raum. Educaching vereint damit die Vermittlung medienbezogener Kompetenzen mit einem fächerverbindenden, multiperspektivischen, nach den Grundsätzen des Forschenden Lernens gestalteten Unterricht.
 
Forschendes Bewegungslernen mit integrativem Einsatz von Tablet-Apps (Sport; Klasse 3, 4)
Bewegung, Spiel und Sport umfassen mehrere Perspektiven: Spannung, Eindruck, Ausdruck, Miteinander, Gesundheit und Leistung.
Diese Mehrperspektivität soll durch den Einsatz digitaler Medien (Video/Foto-Apps, aber auch Schrittzähler) thematisiert werden. Ziel ist, eine kreative und reflexiv-konstruktiv lernende Auseinandersetzung mit Bewegung zu fördern. Die genutzten Medien werden im Hinblick darauf ausgewählt und geprüft.
 
Computerspielschule (Informatik; Klasse 4, 5, 6)
Kinder wechseln durch die Umsetzung einer eigenen Spieleidee von der Rolle des Spielekonsumenten zum Spieleprogrammierer (aktivierende Medienarbeit). Vor diesem Hintergrund werden die Grundprinzipien der Programmierung spielerisch vermittelt.
 
Hypermediales Schreiben im Netz (Deutsch, Informatik; Klasse 3, 4)
Im Klassen- und schulübergreifenden Verbund schreiben und lesen die Kinder eine Internet-Fortsetzungsgeschichte. Als Autoren und Leser einer wachsenden Erzählung wird die Möglichkeit eröffnet, selbst Kreativität und Phantasie einzubringen. Außerdem wird eine handlungsorientierte Auseinandersetzung mit den Hypertext- und Internetstrukturen ermöglicht.

Evaluation

Die formative Evaluation der Unterrichtsprojekte erfolgt in den Schulen auf unterschiedlichen Ebenen: von der Interaktion im Unterricht bis hin zur Einzelschulebene. Darüber hinaus wird die Lehrerbildung der Universität betrachtet.

Auf der Unterrichtsebene stellen sich u.a. folgende Fragen:

    Wie gelingt die Umsetzung der Teilprojekte im Unterricht?
    Entspricht die Unterrichtsgestaltung grundschulpädagogischen Prinzipien?
    Trägt die produktive Mediennutzung im Unterricht zur Entwicklung von Medienkompetenz bei?
    Inwiefern eignen sich die Schülerinnen und Schüler dabei auch Fachinhalte an?

Auf Einzelschulebene stellt sich die Frage nach den Gelingensbedingungen für das digitale Lernen. Außerdem werden die Bedingungen für die Entwicklung eines entsprechenden Curriculums untersucht.
Auf universitärer Ebene soll ein Konzept zum digitalen Lernen für die Grundschullehrerbildung entwickelt werden.

Die formative Evaluation orientiert sich u.a. an Methoden der qualitativen Sozialforschung. Anhand von videografischen Unterrichtsbeobachtungen, Interviews und Arbeitsprodukten werden Informationen erhoben und inhaltsanalytisch ausgewertet.

Projektlaufzeit

Projektbeginn: 1. April 2016
Projektende: 31. März 2019

 

 BYOD - Start in die nächste Generation

Mitarbeit

Prof. Dr. Rudolf Kammerl - Projektleitung
Jun.Prof. Dr. Alexander Unger - Leitung des Teilprojekts Lehrerperspektive
Anja Schwedler, M.Ed. - wissenschaftliche Mitarbeit
Karen Dölves - studentische Mitarbeit
Liesa Ahlandt - studentische Mitarbeit
Maren Fröhling - studentische Mitarbeit
Julia Stölzle - studentische Mitarbeit

Projektbeschreibung

Das Pilotprojekt „Start in die nächste Generation“ wurde von Senatskanzlei und Schulbehörde gemeinsam entwickelt. Es geht darin um die pädagogische und didaktische Integration von privaten Smartphones, Tablets oder Laptops in den Unterricht. Drei Stadtteilschulen (Stadtteilschule Humboldtstraße, Stadtteilschule Oldenfelde und Schule Maretstraße) und drei Gymnasien (Gymnasium Ohmoor, Gymnasium Altona und Gymnasium Osterbek) wurden hierfür ausgewählt. Dort werden Schülerinnen und Schüler künftig ihre eigenen mobilen Computer im Unterricht nutzen (= Bring your own device, BYOD). Einige Schulen starten zunächst in ausgewählten Klassen und Fächern. Andere Schulen führen es in ganzen Jahrgangsstufen und/oder für die meisten Fächer ein.
Die Ausgangssituationen der Schulen sind unterschiedlich, und damit auch die konkreten Ziele. Allgemein wird jedoch angestrebt,

  •     die Schule mit der Lebens- und Arbeitswelt zu verbinden,
  •     digitale Medien in Lehr- und Lernprozessen zu verankern,
  •     das didaktisch-methodische Potenzial zu nutzen,
  •     bildungspolitische Vorgaben zu unterstützen und
  •     Medienkompetenz als Schlüsselkompetenz zu verstehen.

Ziele der Evaluation

Das Projekt wird von August 2014 bis Juli 2016 wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Ziel ist die Ermittlung von Erfolgskriterien und Gelingensbedingungen, die für eine hamburgweite Ausweitung des Projektes notwendig sind.
Dabei soll die formative Evaluation mit forschendem Lernen verbunden werden, wie bei der Evaluation des Hamburger Netbookprojekts bereits erfolgreich erprobt. Diesmal soll insbesondere das Studienmodul „Forschungswerkstatt“ in der Masterphase des Lehramtsstudiengangs eingebunden werden.

Fragestellungen der Evaluation

In der Studie zur Pilotphase werden die sechs ausgewählten Schulen als Einzelfälle mit ihren jeweils unterschiedlichen Rahmenbedingungen untersucht. U.a. folgende Aspekte und Fragen bilden hierbei den Fokus:

Auf der Ebene der Schule:

  • Inwiefern ist „Bring Your Own Device“ Bestandteil des pädagogischen Schulkonzeptes und in den Schulalltag integriert? Welche Rolle haben die mitgebrachten Devices in der Schule außerhalb der Unterrichtsstunden?
  • Wie gelingt die Umsetzung einer unterstützenden, bedarfsgerechten WLAN-Infrastruktur in der Schule?

Auf der Ebene der Lehrkräfte und des Unterrichts:

  • Mit welchen Arbeitsweisen, Sozialformen und Unterrichtsmethoden wird die Nutzung verbunden?
  • Welche Konzepte und Herangehensweisen zur Förderung von Lese-, Medien-, Informations-, Recherche- und Präsentationskompetenz liegen vor? Inwiefern werden die vorhandenen Ressourcen hierfür genutzt?
  • Werden Kenntnisse bezüglich Computer, Internet, Multimedia u.ä. in den Unterricht einbezogen bzw. findet eine Anknüpfung an diese statt?
  • Welchen Fortbildungs- und Unterstützungsbedarf haben die Lehrkräfte? Wie wird dieser gedeckt?

Auf der Ebene der Schüler:

  • Inwiefern nutzen die Schüler mobile Endgeräte zur Unterstützung ihrer Lernprozesse und Arbeiten für die Schule? Inwiefern wird deren Nutzwert reflektiert?
  • Lässt sich bei den Schülern ein Zuwachs an Medien- und Informationskompetenz bemerken? Inwiefern kann er auf die Projektmaßnahmen zurückgeführt werden?
  • Welchen Beratungs- und Unterstützungsbedarf haben die SuS? Inwiefern können sie selbst diese Bedarfe decken?

Auf der Ebene der Eltern:

  • Welche Beobachtungen machen diese hinsichtlich der Nutzung mobiler Endgeräte zu Hause?
  • Wie wird das schulische Konzept zur Vermeidung von Benachteiligung von SuS ohne Gerät bewertet?

Im Sinne der formativen Evaluation sind zeitnahe datengestützte Rückmeldungen an die Projektbeteiligten angestrebt. Dies soll den Erfahrungsaustausch unterstützen und eine laufende Überprüfung der Ziele und Fragestellungen ermöglichen.

Evaluationsmethoden

Die Daten werden erhoben über

  • leitfadengestützte Interviews,
  • teilnehmende Beobachtungen,
  • standardisierte Befragungen mit Fragebögen und
  • inhaltsanalytische Auswertungen von Schulmaterialien bzw. -dokumenten.

Die Durchführung der Erhebungen erfolgt zu großen Teilen durch geschulte Studierende (Masterphase Lehramtsstudiengang), die im Rahmen von Forschungswerkstätten Aufgaben übernehmen.

Publikationen

Kammerl, Rudolf/Unger, Alexander (2015): „Start in die nächste Generation“ – Ein BYOD-Pilotprojekt an sechs Hamburger Schulen. In: Computer + Unterricht, H. 99, S. 33-35.

Projektlaufzeit

Beginn: 1. August 2014
Ende: 31. Juli 2016

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema BYOD an Schulen finden sich auf lecture2go. Eine Ringvorlesung im Wintersemester 2014/15 gab Einblicke in aktuelle Projekte und Konzepte zur Zukunft der Rolle digitaler Medien in der Schule. Aus der Perspektive von Forschung und Praxis wurden u.a. folgende Fragen beleuchtet:

  •  Wie verändern sich Schule und Unterricht, wenn Schülerinnen und Schüler auf Informationen im Netz zugreifen können?
  •  Was verändert sich, wenn sie über ihre Geräte mit anderen kommunizieren können?
  •  Worin bestehen die Chancen und Herausforderungen für BYOD an Schulen?

Die meisten Vorträge wurden aufgenommen und können auch jetzt noch unter lecture2go angehört werden.